Entgegen der traditionellen Lehrbuchmeinung, dass Gold in Zeiten erhöhter Unsicherheit als „sicherer Hafen“ verstärkt nachgefragt wird, hat das gelbe Edelmetall nach einem anfänglichen Anstieg eine deutliche Preiskorrektur erfahren. Ausgehend von Kursen klar oberhalb von 5.000 Dollar je Feinunze ging es zeitweise in die Region um 4.100 Dollar bergab. Gegenwind erfuhr das unverzinste Edelmetall dabei von steigenden Opportunitätskosten, wurden doch die (Inflations- und) Leitzinserwartungen weltweit nach oben revidiert, wodurch die Renditen an den Anleihemärkten Auftrieb erfuhren. Zudem wurden Goldbestände teils verkauft, um Nachschussforderungen bei anderen Engagements zu bedienen.
Der Goldmarkt wird zwar derzeit von der Entwicklung in Nahost dominiert. Die strukturellen Treiber der Goldnachfrage sind jedoch nach wie vor intakt. Der bisherige Jahresverlauf hat einmal mehr verdeutlicht, dass sich die Welt auf einem Weg zur Blockbildung befindet. Hiervon profitiert Gold als ultimativer sicherer Hafen und Garant der Unabhängigkeit. Trotz des starken Preisanstiegs der letzten Jahre wollen zahlreiche Zentralbanken ihren Goldbestand weiter ausbauen.
Selbst wenn derzeit die Zinsseite im Fokus der Goldanleger steht, dürften die übergeordnete Blockbildung und die geopolitische Gemengelage, die aktuell insbesondere vom Weißen Haus bestimmt wird, langfristig wieder die Oberhand gewinnen. Wir halten an unserer Prognose fest und erwarten trotz kurzfristiger Volatilität eine Rückkehr zur 5.000-US-Dollar-Marke bis zum Jahresende.
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| 22.4.2026 | +3 Monate | +6 Monate | +12 Monate | |
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| Goldpreis in USD | 4.742 | 4.600 | 4.700 | 5.000 |
| Goldpreis in Euro | 4.046 | 3.965 | 3.985 | 4.165 |