Aktienmärkte

Aktienmärkte

Deutscher und europäischer Aktienmarkt

Nachdem der deutsche Leitindex im Mai bis knapp an die 18.900-Punkte-Marke vorgestoßen war – unterstützt durch die teils sehr gute Berichtssaison –, hat er bis auf rund 17.950 Punkte korrigiert. Zuletzt übernahmen politisch und geldpolitisch negativ eingefärbte Nachrichten das Zepter an den Märkten.

 

Im Nachgang zur Europawahl haben die europäischen Aktienindizes Rücksetzer verzeichnet. Zwar blieben die konser­vativen Parteien die stärkste Kraft, doch die Rechtspopulisten verzeichneten insbesondere in Frank­reich und Italien einen deutlichen Stimmenzuwachs. Erschwerend für den französischen Aktienmarkt kam hinzu, dass Macron das Parlament auflöste und Neuwahlen für den 30. Juni und den 7. Juli angesetzt hat. Diese politische Unsicherheit hin­sichtlich eines möglichen Wahlsiegs der Rechten bleibt uns vorerst erhalten.

DAX-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Nach der Veröffentlichung der erfreulichen Inflationszahlen für Mai hatte der Markt zunächst schnellere Leitzinssenkungen der Fed antizipiert, sodass die Aktienkurse kurzfristig stiegen. Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank zeigten die impliziten Geldmarktsätze insgesamt zwei Zinsschritte nach unten bis zum Jahresende. Die Fed-Sitzung hat diese Erwartungen jedoch enttäuscht. Insbesondere die Tatsache, dass die Fed-Mitglieder mehrheitlich nur noch eine Zinssenkung in diesem Jahr sehen, dürfte für Ernüchterung gesorgt haben. Die Finanzmarktakteure werden in den kommenden Monaten jeden Indikator auf die Goldwaage legen und auf mög­liche geldpolitische Implikationen analysieren. Entsprechend hoch dürfte die Volatilität an den Finanzmärkten ausfallen.

 

Ein weiterer Unruheherd für die europäischen Aktienmärkte ging Mitte Juni von dem wachsenden Protektionismus der großen Nationen aus. So litten Autowerte im DAX unter den von der EU-Kommission angekündigten Strafzöllen auf Elektro­autos aus China. Die EU-Kommission wirft China vor, seinen Auto­herstellern übermäßige Subventionen zu zahlen und den europäischen Markt mit billigen E-Autos zu fluten. Chinas Handelsministerium hat die Ankündigung der EU von Strafzöllen auf chinesische E-Autos scharf kritisiert und Gegenmaß­nahmen angedeutet.

 

Trotz dieser (geld-)politischen Unwägbarkeiten sind wir für die europäischen Aktienmärkte weiterhin positiv gestimmt. Denn die derzeitige am Markt be­stehende Unsicherheit über den Zeitpunkt der ersten Fed-Zinssenkung sollte wohl im Dezember Gewissheit weichen. Niedrigere Anleihe­renditen und Zinsen unterstützen die vor allem für den exportlastigen DAX so relevante weitere Erholung der Absatzmärkte und stellen letztlich gute Voraus­setzungen für steigende Aktien­kurse dar. Mit den jüngsten Rücksetzern hat sich die Stim­mungslage am europäischen Aktienmarkt eingetrübt. Die KGV-Be­wertung des DAX und des Euro Stoxx 50 entspricht aber ihrem lang­jährigen Mittel, so­dass sich bei positiven Überraschungen eine Bewertungs­ausweitung ergeben dürfte. 

Euro-Stoxx-50-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Indexprognose DZ BANK

Land Index aktuell
                                   Kursziel 31.12.2024
                                 Kursziel 30.06.2025  
Deutschland DAX VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=DAX.ETR   19.500   20.000  
Europa Euro Stoxx 50 VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=SX5E.DJX   5.400
  5.550  
USA S&P 500 VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=INX.SON   5.600   5.700  
Quelle: DZ BANK

Amerikanischer Aktienmarkt

Anders als wichtige europäische Aktienindizes haben in der letzten Woche sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq 100 neue Rekorde erzielt. Zwar liegt nun deren KGV-Bewertung spürbar oberhalb ihrer langjährigen Mittelwerte. Es gilt aber anzumerken, dass vor allem die Tech-Werte diese Bewertung treiben. Und diese ist angesichts der auch künftig als Ergebnistreiber geltenden Anwendungsbereiche der künstlichen Intelligenz durchaus gerechtfertigt.

 

Für Höhenangst besteht somit zwar kein Anlass, dennoch müssen sich Anleger auf Rücksetzer ein­stellen. Diese könnten von einer sich in den kommenden Monaten als hartnäckig erweisenden und weitgehend seitwärts tendierenden US-Inflation ausgehen, ehe die Fed im Dezember ihren Leitzins senken dürfte. Ein sukzessive lebhafteres weltwirt­schaft­liches Umfeld und eine stärkere Binnennachfrage sollten auch weiterhin die Ge­winne der Unternehmen an­kurbeln. Insbesondere Konzerne mit einer großen Preissetzungsmacht haben in der zurück­liegenden Berichtssaison zum ersten Quartal 2024 wieder einmal spürbar im positiven Sinne überrascht. Das sollte auch im weiteren Jahres­verlauf so bleiben, sodass die Aktienkurse weiter steigen dürften.

 

In Bezug auf die US-Präsidentschaftswahl kündigt sich nach neuesten Umfra­gen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Joe Biden und Donald Trump an. Beide Kandidaten stehen für eine expansive Fiskalpolitik. Trump steht nicht nur für eine Verlängerung der von ihm im Rahmen der ersten Amtszeit ergriffenen und 2025 auslaufenden Steuersenkungen für private Haus­halte. Vielmehr schwebt ihm vor, die Steuer­belastung weiter zu reduzieren. Demnach würden Unternehmens­gewinne nur noch mit 15% anstatt der aktuell gültigen 21% besteuert. Zwar kommen hier je nach US-Bundesstaat noch Auf­schläge hinzu. Im internationalen Vergleich läge die Steuerbelastung dennoch auf niedrigem Niveau. Zum Vergleich: In Deutsch­land bewegt sich der ent­sprechende Satz bei etwa 30%.

 

Gute Voraussetzungen, von diesen niedrigeren Steuern zu profitieren, haben dabei diejenigen Unternehmen, die einen großen Teil ihrer Gewinne in den USA erwirtschaften und versteuern. Dies gilt sowohl für US-amerikanische als auch für ausländische Konzerne. So entfallen beispielsweise bei den im DAX geliste­ten Unternehmen rund 30% der Umsätze auf die USA. Eine wesentliche Bedin­gung dürfte jedoch sein, dass auch eine hohe Wertschöpfung in den USA stattfindet, um Zollbelastungen durch importierte Vorprodukte niedrig zu halten. Mit Sorgenfalten auf die US-Wahl dürften hingegen europäische, aber auch US-amerikanische Unternehmen blicken, die besonders stark in China aktiv sind. So sollten sich dort produzierte Güter schwieriger in die USA expor­tieren lassen.

S&P-500-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Fazit:

Ein langsam anziehendes Wirtschaftswachstum und Leitzinssenkungen dürften in den nächsten Quartalen die Aktienmärkte weiter unterstützen. Ebenso fehlt weiter­hin jedes Zeichen einer Erosion der Unternehmensgewinne in den Blue-Chip-Indizes. Insbesondere die großen Tech-Werte liefern starke Gewinne aus den Wachstums­sparten. Vor allem in Europa sind die guten Gewinnaussichten nicht in den Kursen erfasst. Der KI-Boom unterstützt insbesondere die US-Indizes.

Anlagemöglichkeiten:

Innerhalb der Aktienallokation 2024 bevorzugen wir eine Kombination aus günstigen europäischen Zyklikern und den unverwüstlichen großen (US-)Technologietiteln.

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