Aktienmärkte

Aktienmärkte

Deutscher und europäischer Aktienmarkt

Während die europäischen Aktienindizes über das Gesamtjahr 2022 eine negative Performance aufwiesen, blieben echte Ergebnisrealisationen wie reales BIP-Wachs­tum und nominales Gewinnwachstum der Unternehmen sehr robust und vor allem besser als erwartet. Die Gewinnsteigerungen dürften im DAX knapp 7% und im S&P 500 knapp 8% betragen haben. Die Großunternehmen haben ihre Margen durch Preisanhebungen zumindest verteidigt und erwiesen sich gegenüber den konjunkturellen Unwägbarkeiten als resilient. Die ökonomische Krise fand somit bewiesenermaßen eher in den Köpfen der Marktteilnehmer als in den Unternehmensbilanzen statt. Dies spiegelte sich auch in den im Jahr 2022 zumeist gedrückten Aktienkursen wider.

 

Mit Chinas Abkehr von der Null-Covid-Strategie, pragmatischeren Tönen der (US-) Zentralbank und gesunkenen Energiepreisen drehte dieser übertriebene Börsenpessimismus nun in einen ausgewachsenen Optimismus. Ein DAX-Stand von 15.000 reflektiert bereits ein Gewinnwachstum von 10% im Jahr 2023, während der Konsens weiterhin von lediglich 2% ausgeht. Nachdem das Gewinnwachstum im Jahr 2022 bereits eine solide und somit hohe Absprungbasis vorgelegt hat, fehlt in diesem Jahr die Aussicht auf einen positiven ökonomischen Schock, um eine solche Ergebnissteigerung rechtfertigen zu können. Der beob­achteten Aktienmarktrally ist daher berechtigterweise etwas die Luft ausgegangen, die Gewinnmitnahmen oberhalb der 15.000-Punkte-Marke beim DAX waren unumgänglich.

 

Eine Diskrepanz zwischen Stimmung und Resultaten bleibt daher auch Anfang 2023 bestehen, sie hat sich jüngst lediglich umgekehrt. Damit die zuletzt beob­achteten Aktienkurse Bestand haben können, muss der neu aufgekeimte Optimismus zuerst einmal mit harten Daten, sprich Ergebnisrealisationen bestätigt werden.

DAX-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Nun folgt im Zuge der Berichterstattung über die realen BIP-Zahlen und die nominalen Quartalsgewinne der Unternehmen für das vierte Quartal die „Stunde der Wahrheit“. Die Erwartungen sind getrübt und bieten daher eine niedrige Vergleichsbasis und damit die Möglichkeit für positive Überraschungen – allerdings in einem weiterhin ambitionierten Umfeld. Deutschland hat mit erstaunlich guten BIP-Zahlen bereits vorgelegt. Ende des Monats folgen die EWU-BIP-Daten.

 

Sollten die Ergebnisrealisationen erneut die pessimistischen Erwartungen Lügen strafen, wäre es durchaus möglich, dass sich das Investorensentiment nachhaltig verbessert und die Aktienmärkte erneut beflügelt werden. Höhere Gewinnwachstumserwartungen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich wären dann nicht mehr ambitioniert, sondern erreichbar, was zusätzliche Kursgewinne rechtfertigen würde. Zyklische Sektoren würden erneut verstärkt profitieren.

Euro-Stoxx-50-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Indexprognose DZ BANK

Land Index aktuell
                                   Kursziel 30.06.2023
                                 Kursziel 31.12.2023  
Deutschland DAX VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=DAX.ETR   14.500   15.000  
Europa Euro Stoxx 50 VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=SX5E.DJX   3.900
  4.100  
USA S&P 500 VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=INX.SON   4.200   4.400  
Quelle: DZ BANK

Amerikanischer Aktienmarkt

Etwas gemäßigtere Töne vonseiten der Fed-Mitglieder und die sich am Markt etablierende Erwartung, die US-Wirtschaft werde wohl nur in eine milde Rezession abrutschen, haben die US-Aktienindizes wie den S&P 500 gut unterstützt. Dieser pendelt aktuell um die 4.000-Punkte-Marke.

 

Die US-Wirtschaft hat sich bisher robust gehalten. An einer Rezession führt allerdings wohl kein Weg vorbei, wenn auch der Konjunktureinbruch 2023 nicht ganz so stark ausfallen dürfte, wie wir bislang erwartet haben. Wir rechnen nun mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in den USA im laufenden Jahr um 0,2% anstatt der bisher prognostizierten minus 0,8% gegenüber dem Vorjahr aus. Dabei unterstellen wir eine Rezession im ersten Halbjahr 2023.

 

Der Blick in die weitere Zukunft gibt für die Gesamtwirtschaft jedoch ein freundlicheres Bild. Für 2024 dürfte ein deutlicher Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zu Buche stehen. Wir rechnen aktuell mit einer Rate von plus 2,0%. Positiv sollte sich vor allem eine Aufhellung der Konsumlaune auswirken: Im Anschluss an die Rezession dürfte angesichts des grundsätzlich knappen Arbeitsangebots eine recht dynamische Erholung des Arbeitsmarktes eintreten und die Reallöhne wieder steigen. Die dadurch gestärkte finanzielle Situation der privaten Haushalte sollte die Konsumneigung erhöhen – ein auch für die Aktienmärkte positives Umfeld.

 

Die Bewertung des S&P 500 – auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses der nächsten zwölf Monate – nähert sich von oben kommend ihrem langfristigen Mittelwert der letzten 15 Jahre an. Die Bewertung ist aber nicht als zu ambitioniert zu betrachten. Die Bewertung des DAX hingegen entspricht ihrem langfristigen Mittelwert.

S&P-500-Index (Für Near-Time-Chart bitte hier klicken)

Fazit:

Über den Jahreswechsel 2022/23 haben die Anleger an den Aktienmärkten neuen Mut gefasst. Schwächere EWU-Inflationsdaten und verbesserte Konjunkturdaten aus der Eurozone führten zusammen mit den Öffnungsmaßnahmen in China zu den Kursgewinnen von DAX & Co. Der eingepreiste Konjunkturoptimismus ist aus-geprägt und muss noch durch harte Fakten in Form der Unternehmensgewinne bestätigt werden. Risiken gehen von unerwartet deutlichen Zinserhöhungen der Notenbanken sowie von einer erneuten Schwächephase (Lockdowns) der chinesischen Wirtschaft aus.

Anlagemöglichkeiten:

Eine Verbesserung der allgemeinen Krisenlage über die kommenden sechs bezieh­ungsweise zwölf Monate hinweg ist unseres Erachtens wahrscheinlich. Zykliker sollten in diesem Umfeld gegenüber defensiven Werten bevorzugt werden. Angesichts steigender Zinsen dürften auch Titel von Finanzdienstleistern (Versicherer und Banken) Potenzial besitzen.

Hinweis: 1.) Wertentwicklungen von Finanzinstrumenten oder Finanzindizes in der Vergangenheit stellen keinen verlässlichen Indikator für künftige Wertentwicklungen dar. 2.) Soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, werden Wertentwicklungen 'brutto' angegeben, d.h. insbesondere ohne Berücksichtigung von Kosten, Gebühren, Provisionen und ggf. Steuern einer entsprechenden Investition. Dies bedeutet, dass eine tatsächlich erzielbare Rendite der Investition deshalb niedriger sein kann. 3.) Sofern Finanzinstrumente oder Finanzindizes in Fremdwährungen notieren, können Währungsschwankungen die Renditen in Euro positiv oder negativ beeinflussen. Zu den Details eventuell genannter Anlageempfehlungen, insbesondere auch zu den jeweils offenzulegenden Interessenkonflikten zu Emittenten, verweisen wir auf die jeweils aktuelle Research-Publikation zu diesen Emittenten sowie unsere Website www.dzbank.de/pflichtangaben