Aktienmärkte
Aktienmärkte
Deutscher und europäischer Aktienmarkt
Die sich über einen Monat hingezogenen gezielten Angriffe des Irans auf Gas- und Ölproduktionsstätten im Nahen Osten verhinderten bislang eine schnelle Rückkehr zur Normalität an den Energiemärkten. Steigende Rohöl- und Gaspreise sowie Einschränkungen bei Düngemitteln und anderen wichtigen Chemikalien sorgten in den Vorwochen an den Aktienmärkten immer wieder für Rücksetzer und bremsten Erholungsversuche aus. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone aufgrund des Iran-Krieges im Jahr 2026 um 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen. Für die USA wird hingegen eine moderatere Wachstumskorrektur von 0,2 Prozentpunkten erwartet. Diese Abschwächung der Gesamtwirtschaft trübt direkt die Ertragsperspektiven der Unternehmen, da mit einer geringeren Nachfrage zu rechnen ist. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen, die Konsumgüterindustrie und der Luftfahrtsektor, die mit signifikanten Kostensteigerungen rechnen müssen, welche die Gewinnmargen zusätzlich schmälern.
Mit Erleichterung nahmen dann die Aktienmärkte die ausgerufene Feuerpause im Nahen Osten auf. Der DAX stieg über die Marke von 24.000 Punkten, und der Euro Stoxx 50 überwand die Hürde bei 5.900 Zählern. Es erscheint aber schwer zu glauben, dass die Beteiligten hier einen gemeinsamen Nenner finden werden. Zu weit liegen die jeweiligen Positionen auseinander, gerade unter Berücksichtigung der Ziele Israels. Immerhin haben die Vertreter beider Seiten nun zwei Wochen mehr Zeit, um – wohl weiterhin unter Vermittlung Pakistans – Lösungen auszuarbeiten. So positiv diese Nachricht ist, für Euphorie ist es angesichts der Herausforderungen, die vor den Verantwortlichen liegen, sicher noch zu früh. Bis auf Weiteres dürfte die Lage in der Region angespannt bleiben. Rücksetzer müssen einkalkuliert werden.
Infolge des gestiegenen Inflationsdrucks dürfte die US-Notenbank die Leitzinsen weniger stark senken als bislang erwartet, während die EZB die Zinszügel sogar vorsichtig straffen könnte. Fehlende positive Impulse vonseiten der Geldpolitik nehmen den Aktienmärkten das Potenzial für eine weitere, zügige Erholung.
Eine mittelfristig zu erwartende, nachhaltige politische Deeskalation bildet die Grundlage für eine dauerhafte Markterholung. Angesichts dessen dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte eine deutliche Aufwärtsbewegung der Aktienindizes einstellen. In Erwartung (längerfristig) sinkender Energiekosten und einer sich belebenden Konjunktur beginnen die Marktteilnehmer dann, die wieder verbesserten Gewinnaussichten für 2027 einzupreisen. Zudem hat der über fünf Wochen andauernde Kursrückgang die zuvor teils ambitionierten Bewertungen an den Aktienmärkten auf ein gesünderes Niveau zurückgeführt. Vor diesem Hintergrund sehen wir bis zum Jahresende Aufwärtspotenzial für den DAX und den Euro Stoxx 50.
Indexprognose DZ BANK
| Land | Index | aktuell |
Prognose zum 30.06.2026 | Prognose zum 31.12.2026 | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | DAX | VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=DAX.ETR | 22.500 | 25.000 | |||
| Europa | Euro Stoxx 50 | VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=SX5E.DJX | 5.500 | 6.000 | |||
| USA | S&P 500 | VWDimage=http://gis.vwd.com/dzbank/boersenkompass/kurse?symm=INX.SON | 6.600 | 7.300 |
Amerikanischer Aktienmarkt
Nachdem der S&P 500 im März zeitweise bis auf unter 6.400 Punkte abgerutscht war, hat er deutlichen Rückenwind erhalten. Bereits Ende der Vorwoche lieferte ein überraschend erfreulicher US-Arbeitsmarktbericht positive Impulse. Im Zuge der eingetretenen Deeskalation im Nahen Osten baute der S&P 500 Index seine Kursgewinne aus und stieg über die Marke von 6.700 Punkten.
Die Deeskalation am Persischen Golf kommt dem US-Präsidenten innenpolitisch gelegen. Gegen einen „totalen US-Sieg“ spricht allerdings der Zehn-Punkte-Plan aus Teheran, den die Trump-Administration als Grundlage für Verhandlungen anerkennt. Laut iranischen Angaben enthält dieser Forderungen, wonach der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behält, alle Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden, die Urananreicherung gestattet wird und die USA ihre militärische Präsenz in der Region zurückfahren. Zudem soll eingefrorenes iranisches Vermögen freigegeben werden. Die USA fordern hingegen unter anderem, dass der Iran seine Programme zur Nutzung der Atomenergie sowie für ballistische Raketen und die Unterstützung für Milizen in der Region beendet.
Angesichts gesunkener Umfragewerte kann sich die US-Administration unter Präsident Trump vor den wichtigen Zwischenwahlen im November keine steigenden Preise an den Tankstellen leisten. Denn höhere Preise fürs Tanken und Heizen sind ein Ärgernis für die US-Verbraucher. Die ohnehin schon hitzige Diskussion um die „affordability crisis“ wird wohl noch mehr Schlagzeilen machen. In diesem Umfeld dürften nicht nur die ärmsten Haushalte, sondern auch Teile der Mittelschicht ihre Ausgaben stärker im Blick behalten. Der Konsum als eine wichtige Säule des Wachstums dürfte dadurch geschwächt werden. Dennoch sprechen die Investitionsfreude im KI-Bereich, Steuersenkungen und -anreize im Rahmen der „One Big Beautiful Bill“ sowie das enorme Vermögen der reichen Haushalte für solides Wirtschaftswachstum in den USA. Die Wachstumseinbußen dürften trotz des dauerhaft erhöhten Ölpreises moderat ausfallen. Wir rechnen für 2026 gegenüber unserer bisherigen Prognose mit einer um einen halben Prozentpunkt reduzierten Wachstumsrate beim BIP der USA.
Fazit und Anlagemöglichkeiten
Der Iran-Konflikt hat die Volatilität an den Kapitalmärkten erhöht und in vielen Sektoren zu Verkaufsdruck geführt. Eine im weiteren Jahresverlauf erwartete nachhaltige Deeskalation dürfte die Unsicherheit reduzieren und den Fokus wieder stärker auf fundamentale Bewertungen, Gewinnstabilität und strukturelle Nachfrageprofile lenken. Das größte Aufholpotenzial wird in den Bereichen gesehen, die aktuell überproportional unter den Umständen leiden oder übermäßig verkauft wurden wie die Logistik- und Transportbranche. Eine Beruhigung der Lage dürfte hier zu schnellen Gegenbewegungen führen. In Teilen der Technologie, Industrie und bei Materialien erscheinen die Bewertungen nach den jüngsten Rücksetzern attraktiv. Small Caps wurden in der Stressphase überproportional verkauft und reagieren typischerweise stark auf eine erhöhte Risikobereitschaft der Anleger.
Weiterhin halten wir an unserer Einschätzung fest, wonach Aktien europäischer Rüstungsunternehmen aufgrund der steigenden Verteidigungsetats vieler NATO-Staaten Aufwärtspotenzial besitzen.
Hinweis: 1.) Wertentwicklungen von Finanzinstrumenten oder Finanzindizes in der Vergangenheit stellen keinen verlässlichen Indikator für künftige Wertentwicklungen dar. 2.) Soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, werden Wertentwicklungen 'brutto' angegeben, d.h. insbesondere ohne Berücksichtigung von Kosten, Gebühren, Provisionen und ggf. Steuern einer entsprechenden Investition. Dies bedeutet, dass eine tatsächlich erzielbare Rendite der Investition deshalb niedriger sein kann. 3.) Sofern Finanzinstrumente oder Finanzindizes in Fremdwährungen notieren, können Währungsschwankungen die Renditen in Euro positiv oder negativ beeinflussen. Zu den Details eventuell genannter Anlageempfehlungen, insbesondere auch zu den jeweils offenzulegenden Interessenkonflikten zu Emittenten, verweisen wir auf die jeweils aktuelle Research-Publikation zu diesen Emittenten sowie unsere Website www.dzbank.de/pflichtangaben