Konjunkturelles Umfeld

Konjunkturelles Umfeld

EWU-Wirtschaft bleibt auf Erholungskurs – Chinas Exportoffensive wirkt

Die Konjunktur im Euroraum dürfte sich im zweiten Quartal in moderatem Tempo weiter belebt haben. Die Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die Besserung inzwischen in vielen Bereichen der Wirtschaft bemerkbar macht. Gleichzeitig ist der Rückgang der Inflationsrate ins Stocken geraten, was auch auf die nach wie vor robusten Dienstleistungspreise zurückzuführen ist. Zuletzt wurden die Hoffnungen auf einen raschen Rückgang der Dienst­leistungsinflation allerdings enttäuscht.







EWU-Konjunktur dürfte auch im zweiten Quartal 2024 wachsen


In den USA, wo die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2023 noch florierte, hat die konjunkturelle Dynamik im ersten Halbjahr 2024 deutlich nachgelassen. Allerdings war die Lohnentwicklung zuletzt überraschend kräftig. Dies bestätigt einmal mehr unsere Prognose, dass die Inflationsrate in diesem Jahr nur sehr allmählich auf ein niedrigeres Niveau zurückgehen dürfte. Vor allem die hohen Preissteigerungen bei Wohnimmobilien und teilweise bei lohnnahen Dienst­leistungen stützen noch den Preisdruck.

In den USA nimmt die Wachstumsdynamik hingegen ab


Nach dem starken Jahresauftakt dürfte die chinesische Wirtschaft auch im zu Ende gehenden Frühjahrsquartal die gute konjunkturelle Dynamik beibehalten haben. Umfragebasierte Stimmungsindikatoren signalisieren eine anhaltend gute Laune der Unternehmen. Auch der Außenhandel hat sich in den vergan­genen Monaten weiter erholt. Offenbar zeigt die subventionierte Exportinitiative Pekings Wirkung. Allerdings regt sich in den Abnehmerländern inzwischen Widerstand. So sollen in den USA zusätzliche Zölle auf zahlreiche Importe aus China, darunter ein 100%iger Zoll auf Elektroautos, Anfang August in Kraft treten. Auch die EU hat sich zuletzt für zusätzliche Zölle auf chinesische Elektroautos ausgesprochen. Der Gegenwind für Chinas Exportkonjunktur nimmt also zu.

Chinas subventionierte Export­initiative wirkt





Positive Einflussfaktoren Negative Einflussfaktoren

Beginnende Leitzinssenkungen der EZB/Fed
Geldpolitik wirkt bislang wachstumsbremsend
Höhere Nominallöhne stützen die Kaufkraft
Geopolitische Krisen/Kriege
Expansivere Fiskalpolitik in China/USA
Rohölpreise sollten weiter anziehen
Lieferengpässe weitgehend beseitigt

Bilaterale Handelshemmnisse/Protektionismus

Volkswirtschaftliche Rahmendaten USA

  Wirtschaftswachstum
(%J/J)
Verbraucherpreise
(%J/J)
Leistungsbilanzsaldo
(in % des BIP)
Budgetsaldo
(in % des BIP)
2023
2,5 4,1 -3,0 -7,5
2024e
2,4 3,0 -3,2 -6,2
2025e 2,2 2,6 -3,3 -6,6
Quelle: DZ BANK

Volkswirtschaftliche Rahmendaten Euroland

 
  Wirtschaftswachstum
(%J/J)
Verbraucherpreise
(%J/J)
Leistungsbilanzsaldo
(in % des BIP)
Budgetsaldo
(in % des BIP)
2023 0,4 5,4 2,9 -3,6
2024e
0,8 2,5 2,3 -2,9
2025e 1,5 2,1 2,4 -2,6
Quelle: DZ BANK

Fazit:

Die Konjunktur im Euroraum bleibt im Frühsommer 2024 auf ihrem moderaten Erholungskurs. Das zeigen die aktuellen Daten des Euro-Indikators der DZ BANK. Seit seinem Tief vom November 2023 hatte sich der Indikator kontinu­ier­lich verbessert und im Mai mit einem Anstieg von 0,5% im Vergleich zum Vormonat seinen Aufwärtstrend wieder aufgenommen.

 

Auch die Umfrage von S&P Global unter den europäischen Einkaufsmanagern signalisiert eine Fortsetzung der Konjunkturerholung. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euroraum stieg von 51,7 auf 52,2 Punkte. Vor allem im Dienstleistungssektor laufen die Geschäfte rund. Die Aufträge steigen und die Beschäftigung beschleunigt sich weiter. Aber auch beim Sorgenkind Industrie hellt sich die Stimmung auf, allerdings noch auf niedrigem Niveau. Für das zweite Quartal ist auf Basis der Umfrage­daten wieder mit einer positiven Wachstumsrate des Bruttoinlands­produkts zu rechnen.