Konjunkturelles Umfeld
Konjunkturelles Umfeld
Krieg im Nahen Osten: Eine Szenarienanalyse
Mit dem Ausbruch des Krieges im Iran muss die Weltwirtschaft eine erneute Krisensituation verarbeiten. Das Ausmaß der Kampfhandlungen, einschließlich der Angriffe Irans auf zahlreiche seiner Nachbarn sowie der Blockade der Straße von Hormus als Nadelöhr der weltweiten Energieversorgung, überraschte viele. Binnen weniger Tage sprang der Ölpreis zeitweise auf über 100 US-Dollar pro Barrel. Die Gaspreise stiegen prozentual noch stärker.
Iran-Krieg trifft auf eine bisher robuste Weltwirtschaft
In unserem Hauptszenario (60% Wahrscheinlichkeit), das auch den Prognosen dieser Publikation zugrunde liegt, gehen wir von einer baldigen Deeskalation aus. Die Kampfhandlungen werden beendet, bilaterale Gespräche beginnen. Die Straße von Hormus wird wieder für den Schiffsverkehr freigegeben. Die Energiepreise normalisieren sich, der Ölpreis fällt auf Sicht von drei Monaten auf 65 US-Dollar zurück. Denkbar ist aber auch, dass die Spannungen trotz eines Endes der akuten Kampfhandlungen anhalten und der Persische Golf nur eingeschränkt beschiffbar bleibt. Die Energiepreise dürften dann erhöht bleiben (Szenario 2, 30%). Im Falle einer Eskalation mit einer längeren Sperrung der Straße von Hormus (Stressszenario, 10%) steigen nicht nur die Energiepreise weiter, es treten sogar Knappheitsprobleme auf.
Preissprünge beim Rohöl schlagen sich im Regelfall relativ schnell in den Inflationsraten der Industrieländer nieder. Eine Daumenregel besagt, dass ein Ölpreisanstieg um 10% – sofern er von Dauer ist –die Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte anhebt. Wir gehen allerdings in unserem Hauptszenario davon aus, dass der Ölpreis nur sehr kurz auf dem aktuellen Krisenniveau bleibt. Die Preisspitze macht sich zwar bereits an den Zapfsäulen bemerkbar und dürfte auch die Inflationsraten vorübergehend anschieben, danach ist jedoch mit einer Entlastung zu rechnen. Sollten sich die Öl- (und Gas-)Preise jedoch auf einem erhöhten Niveau einpendeln (Szenario 2) oder sogar auf ihren Krisenniveaus bleiben (Szenario 3), wäre mit deutlich höheren CPI-Raten zu rechnen.
Drei Szenarien für die weitere Entwicklung im Nahen Osten
Im Hauptszenario dürfte der Ölpreis nur vorübergehend die Teuerungsraten anschieben
| Positive Einflussfaktoren | Negative Einflussfaktoren |
|---|---|
| Bilaterale Handelsabkommen |
Protektionismus, Zölle |
| Expansive Wirtschaftspolitik in einigen Ländern | Steigende Staatsverschuldung (USA, China, …) |
| KI-Investitionen stärken das Wirtschaftswachstum | Unsicherheit an den Finanzmärkten |
| Politische Reformen werden allmählich umgesetzt |
Geopolitische Krisen/Kriege |
Volkswirtschaftliche Rahmendaten USA
| Wirtschaftswachstum (%J/J) |
Verbraucherpreise (%J/J) |
Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP) |
Budgetsaldo (in % des BIP) |
|
|---|---|---|---|---|
| 2025 | 2,2 | 2,7 | -3,8 | -6,5 |
| 2026e |
3,1 | 3,0 | -3,3 | -7,0 |
| 2027e | 2,1 | 2,6 | -3,1 | -6,9 |
Wachstumsraten wichtiger Wirtschaftsregionen
Volkswirtschaftliche Rahmendaten Euroland
| Wirtschaftswachstum (%J/J) |
Verbraucherpreise (%J/J) |
Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP) |
Budgetsaldo (in % des BIP) |
|
|---|---|---|---|---|
| 2025e | 1,5 | 2,1 | 2,7 | -3,0 |
| 2026e |
1,2 | 2,0 | 2,7 | -3,2 |
| 2027e | 1,4 | 2,1 | 2,7 | -3,2 |
Fazit:
In der letzten Meldung hat Eurostat die Wirtschaftsleistung für das vierte Quartal 2025 von einem Zuwachs von 0,3% auf 0,2% nach unten revidiert. An der grundsätzlich robusten Konjunkturtendenz ändert auch die zwischenzeitliche Verunsicherung und Verteuerung von Energie aufgrund des Iran-Kriegs nichts. Die Konjunktur des Euroraums hat sich im Hinblick auf die Zollstreitigkeiten mit den USA bereits als robuster als gedacht erwiesen. Sofern kein neues Störfeuer durch Zölle oder andere geopolitische Unsicherheiten auftritt, gehen wir davon aus, dass der Euroraum dank einer robusten Konsum- und Investitionsnachfrage auch 2026 seine positive Entwicklung fortsetzen wird.
Die kurzfristigen Preissteigerungen an den Energiemärkten infolge des Iran-Krieges haben nur einen geringfügigen Effekt auf die Inflationsentwicklung im Euroraum. Die bremsenden Effekte der Energiepreise, wie sie bislang in der Prognose unterstellt wurden, werden durch den Preisanstieg bei Öl und Gas allerdings umgekehrt. Von März an ist mit höheren Energiepreisen zu rechnen, was die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2026 um 0,1 Prozentpunkte höher ausfallen lassen dürfte.
EWU: Kurzfristige Verunsicherung schadet der Konjunktur nicht