Konjunkturelles Umfeld
Konjunkturelles Umfeld
Weltwirtschaft erstaunlich resilient – Inflationsraten nur leicht erhöht
Mit der Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Maduro, den immer unverhohleneren Gebietsansprüchen der US-Regierung gegenüber Grönland oder den erneuten Unruhen im Iran hat das noch junge Jahr 2026 geopolitisch äußerst turbulent begonnen. Die Finanzmärkte haben sich von diesen neuen Unsicherheiten zunächst kaum aus der Ruhe bringen lassen: Der DAX erreichte in der ersten Januar-Hälfte neue Rekordhochs, ehe er konsolidierte, während der Ölpreis nur langsam und moderat anzog. Die Sorge, dass es durch eine Zuspitzung der Lage kurzfristig zu einer Verknappung des Ölangebotes kommt, ist offenbar nicht groß. Wohl auch, weil aktuell eher eine globale Überversorgung mit Öl herrscht. Hoffnungen bestehen darüber hinaus, dass die inzwischen stark gedrosselte Ölproduktion in Venezuela und – im Falle eines Regimewechsels – im Iran wieder ausgeweitet werden könnte, auch wenn dies in naher Zukunft wenig wahrscheinlich ist.
Geopolitische Spannungen prägten den Jahresauftakt
Märkte reagierten erst zeitversetzt
Gewichtig sind derzeit außerdem die zunehmend positiven Konjunktursignale: In den Vereinigten Staaten zeigt sich das Wachstum äußerst robust und die Inflation nur leicht erhöht. Auch der Welthandel zeigt sich bislang robust mit einem sogar leicht überdurchschnittlichen Zuwachs im vergangenen Jahr. Dazu trägt vor allem China bei, das seine Waren statt in den USA erfolgreich in anderen Ländern absetzt. Gebremst wird das BIP-Wachstum in China jedoch von Problemen im Inland.
Wirtschaft in den USA erstaunlich resilient
Chinas Ausfuhren finden andere Abnehmerländer
Die Inflationsraten in den Industrieländern bewegen sich inzwischen zumeist wieder in ruhigen Bahnen – wenngleich größtenteils auf immer noch etwas erhöhtem Niveau. In den Vereinigten Staaten lassen signifikante Preiseffekte durch die hohen Zölle immer noch auf sich warten und dürften 2026 insgesamt moderater ausfallen als bislang gedacht. Wir senken unsere Prognose für die US-Inflation von 3,3% auf 3,0%. Im Euroraum bewegt sich die Teuerung wieder auf einem EZB-zielkonformen Niveau.
Noch kein spürbarer Preisdruck durch die Zölle erkennbar
| Positive Einflussfaktoren | Negative Einflussfaktoren |
|---|---|
| Bilaterale (Freihandels-)Abkommen |
Erratische US-Zollpolitik/Protektionismus |
| Effizienzgewinne dank KI / Investitionen in KI | Strukturelle Standortnachteile (hohe Energiepreise) |
| Expansive Fiskalpolitik in einigen Ländern | Steigende Staatsverschuldung (China/USA) |
| Niedrige Rohölpreise | Geopolitische Krisen/Kriege |
Volkswirtschaftliche Rahmendaten USA
| Wirtschaftswachstum (%J/J) |
Verbraucherpreise (%J/J) |
Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP) |
Budgetsaldo (in % des BIP) |
|
|---|---|---|---|---|
| 2025e | 2,2 | 2,7 | -4,1 | 2025e |
| 2026e |
2,7 | 3,0 | -3,4 | 2026e |
| 2027e | 2,1 | 2,6 | -3,1 | 2027e |
Wachstumsraten wichtiger Wirtschaftsregionen
Volkswirtschaftliche Rahmendaten Euroland
| Wirtschaftswachstum (%J/J) |
Verbraucherpreise (%J/J) |
Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP) |
Budgetsaldo (in % des BIP) |
|
|---|---|---|---|---|
| 2025e | 1,4 | 2,1 | 2,7 | -3,3 |
| 2026e |
1,0 | 1,9 | 2,7 | -3,2 |
| 2027e | 1,4 | 2,1 | 2,7 | -3,2 |
Fazit:
Die Weltwirtschaft, allen voran die US-Konjunktur, hat sich im Jahr 2025 erstaunlich robust gezeigt. Die US-Wirtschaft hat im vergangenen Jahr zeitweise mit kräftigem Wachstum überrascht. So wurde für das dritte Quartal 2025 mit annualisiert 4,3% gegenüber dem Vorquartal ein noch etwas stärkerer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemeldet als im zweiten Quartal. Die Zollpolitik, das hohe Preisniveau und die Abkühlung am US-Arbeitsmarkt bleiben jedoch Belastungsfaktoren, die im Jahresverlauf zu einer allmählichen Verlangsamung der Konjunkturdynamik führen dürften.
Dass es der chinesischen Wirtschaft gelungen ist, sich angesichts der massiven Zollbelastung durch die USA im vergangenen Jahr robust zu halten, ist sicherlich eine Erfolgsgeschichte. Chinas Industrie konnte ihre einschneidenden Verluste im Exportgeschäft mit dem wichtigsten Handelspartner USA durch Absatzerfolge in anderen Ländern ausgleichen.
US-Arbeitsmarkt geht verschnupft ins Jahr 2026