Konjunkturelles Umfeld

Konjunkturelles Umfeld

Positivere Stimmungslage im Euroraum – Nachholeffekte in China zu erwarten

Die Stimmung unter den Einkaufsmanagern des Euroraums hat sich gemäß der Umfrage von S&P Global im Januar erneut verbessert. Der umfassende Composite-Index stieg von 49,3 Zählern auf 50,2 Punkte. Er liegt damit erstmals seit Juli 2022 wieder leicht über der neutralen Marke von 50 Indexpunkten. Ab dem Frühjahr 2023 dürfte es zu einer moderaten wirtschaftlichen Erholung kommen. Aufgrund des schwierigen Jahresbeginns wird die EWU-Wirtschaft im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr aber wohl stagnieren.

 



Moderate Konjunkturerholung in der Eurozone ab dem Frühjahr 2023

Zum Jahresende 2022 ist die Inflationsrate im Euroraum nach zuvor zweistelligen Raten im Oktober und November wieder unter die Marke von 10% gerutscht. Für dieses Jahr gehen wir davon aus, dass der Auftrieb bei den Energiepreisen in der Tendenz weiter abnehmen dürfte. Die Preise für Gas haben sich an den Rohstoffbörsen beruhigt. Zudem wirken die staatlichen Kompensationsmaßnahmen weiter und dämpfen den Inflationsdruck. Die aufwärts gerichtete Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln, Gütern und Dienstleistungen muss jedoch im Auge behalten werden. Hier ist eine Trendwende noch nicht absehbar. Außerdem dürften sich die in den Jahren 2023 und 2024 stärkeren Lohnabschlüsse auf die Teuerungsrate auswirken. Daher dürfte die Inflationsrate auch im Jahr 2024 über der EZB-Zielmarke bleiben.



Erhöhte Preise für industrielle Güter und Lebensmittel verhindern im
Jahr 2023 einen stärkeren Inflationsrückgang



 

In China hat das lange Festhalten an der Null-Covid-Politik im Jahr 2022 die Wirtschaft schwer belastet. Die abrupte Kehrtwende in der Corona-Politik zum Jahreswechsel verschärfte nicht nur enorm die Gesundheitslage, sondern sorgte insgesamt für große Verunsicherung. Wirtschaftlich dürfte der Tiefpunkt des jüngsten Abschwungs aber bereits erreicht sein. Spätestens ab März ist mit deutlichen Auf- und Nachholeffekten und einer kräftigen Konjunkturerholung zu rechnen. Wir haben jüngst unsere Wachstumsprognose für dieses Jahr von 3,5% auf 4,5% erhöht.



Nachholeffekte in China ab dem Frühjahr 2023 zu erwarten



Positive Einflussfaktoren Negative Einflussfaktoren

Hohe Rohstoffpreise stützen Schwellenländer
Hohe Inflation führt zu Kaufkraftverlusten
Corona-Pandemie wird zunehmend endemisch
Chinesisches Neujahrsfest birgt kurzfristig Risiken
Lieferkettenengpässe nehmen perspektisch ab

Geopolitische Krisenherde, Ukraine-Krieg

Fiskalische Entlastungspakete in einigen Staaten
Höhere Verschuldung einiger Nationen

Volkswirtschaftliche Rahmendaten USA

  Wirtschaftswachstum
(%J/J)
Verbraucherpreise
(%J/J)
Leistungsbilanzsaldo
(in % des BIP)
Budgetsaldo
(in % des BIP)
2022e
2,0 8,0 -3,7 -5,3
2023e
-0,2 4,8 -3,0 -6,0
2024e 2,0 3,0 -2,9 -5,0
Quelle: DZ BANK

Volkswirtschaftliche Rahmendaten Euroland

 
  Wirtschaftswachstum
(%J/J)
Verbraucherpreise
(%J/J)
Leistungsbilanzsaldo
(in % des BIP)
Budgetsaldo
(in % des BIP)
2022e 3,3 8,4 1,1 -3,6
2023e
0,0 6,7 1,7 -3,7
2024e 1,5 3,4 2,1 -2,8
Quelle: DZ BANK

Fazit:

Trotz der jüngsten Verbesserung der verschiedenen Stimmungsindikatoren ist die Wirtschaftsleistung des Euroraums im Schlussquartal 2022 wohl gesunken. Der hohe Inflationsdruck dämpft die Nachfrage der privaten Haushalte und die Unternehmen sehen sich weiterhin mit einem enormen Kostendruck konfrontiert.

 

Ein Lichtblick ist, dass die Unternehmen zuletzt von einem weniger stark steigenden Preisdruck berichtet haben. Dass sich die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate zuletzt etwas aufhellten, deckt sich mit unserer Prognose einer konjunkturellen Erholung ab dem Frühjahr 2023. Bis dahin bleibt das Winterhalbjahr 2022/23 aber schwierig. Im Euroraum verharrt der Preisdruck bei Gütern und bei Lebensmitteln auf hohem Niveau. Daher wird die Teuerungsrate der Verbraucherpreise im Euroraum weiterhin erhöht sein und nur allmählich sinken. Für die Jahre 2023 und 2024 rechnen wir im Jahresdurchschnitt mit einer Teuerungsrate von 6,7% beziehungsweise 3,4%.