Rentenmärkte

Rentenmärkte

US-Rentenmarkt

Nach noch zwei zu erwartenden Zinsanhebungen um je 25 Basispunkte sollte der US-Leitzinserhöhungszyklus beendet sein. Wir gehen mit der allgemeinen Marktmeinung konform, dass die Fed den Leitzins bis auf 5% erhöht. Entgegen den Erwartungen des Marktes rechnen wir jedoch nicht mit Leitzinssenkungen auf Sicht von zwölf Monaten. Unseres Erachtens beruht die Hoffnung, die Fed könne die Leitzinsen wieder senken, auf der Annahme, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession eintreten wird. Im Zuge dessen sollte der US-Arbeitsmarkt so weit abkühlen, dass der Lohn- und damit der unterliegende Inflationsdruck deutlich nachlässt. Eine starke Abkühlung des Arbeitsmarkts erwarten wir nicht.

 

Auf Sicht der kommenden drei Monate erwarten wir ein Renditeniveau bei den US-Treasuries (zehn Jahre) von 4,10%, da die Euphorie über die geringeren Inflationsraten mit erneut falkenhaften Tönen der Fed-Mitglieder nachlassen sollte. Auf Jahressicht könnten die US-Treasury-Renditen (zehn Jahre) ein Niveau von 4,60% erreichen. Insbesondere der rasante Abbau der US-Noten­bankbilanz sollte dazu beitragen, den Druck auf die Renditen beizubehalten.

10-jährige US-Treasuries

Euro-Rentenmarkt

In den ersten Januar-Wochen 2023 hatte ein nachlassender Preisniveauauftrieb dies- und jenseits des Atlantiks zu rückläufigen Bund-Renditen am Euro-Renten­markt geführt. Im Zuge der niedrigeren Inflationsdaten hatten sich marktseitig Erwartungen gebildet, wonach die EZB nach einer bereits für Anfang Februar angekündigten Zinserhöhung (50 Basispunkte) im März lediglich einen kleinen Zinsschritt im Umfang von 25 Basispunkten beschließen könnte.

 

Die EZB dürfte unseres Erachtens sowohl im Februar als auch im März die Leitzinsen um jeweils 50 Basispunkte anheben. Hierfür sprechen nicht nur die in den vergangenen Tagen wieder hawkisheren Äußerungen der EZB-Oberen, sondern auch der derzeit noch breit basierte Inflationsdruck. Angesichts rückläufiger Inflationsraten im ersten Halbjahr 2023 wird die EZB unseres Erachtens den Leitzinserhöhungszyklus im Mai bei einem Niveau von 3,75% beenden.

 

Nach dem Renditerückgang am langen Ende der Zinsstrukturkurve dürfte unseres Erachtens jedoch bald wieder Ernüchterung einkehren. Solange die EZB ihre Leitzinsen anhebt und verbal versucht, mit falkenhaften Äußerungen die Inflationserwartungen im Zaum zu halten, dürften die Bund-Renditen im Trend wieder aufwärts tendieren. Zudem dürften in der zweiten Jahreshälfte die Rentenmärkte angesichts positiver Konjunktursignale unter Druck bleiben.

10-jährige US-Treasuries vs. Bund

Fazit

Solange die Notenbanken an der Zinsschraube drehen, dürfte der Druck auf den Rentenmarkt hoch bleiben. Zwar hat sich aufgrund sinkender Inflationsraten zuletzt Optimismus breit gemacht, der zu leicht rückläufigen Zehnjahresrenditen geführt hat. Insbesondere die hohen Kernraten, die auf einen breit basierten Inflationsdruck hinweisen, geben unseres Erachtens aber noch keine Entwarnung.

Anlagemöglichkeiten

In Anbetracht der wohl wieder stärker steigenden Renditen raten wir weiterhin dazu, Floater in einem gut diversifizierten Anleiheportfolio überzugewichten.

      

Zinsprognose vom 17. Januar 2022

  25.01.2023

+3 Monate +6 Monate +12 Monate 31.12.2023
Refi-Satz 2,50 3,50 3,75 3,75 3,75
EZB-Einlagezinssatz
2,00 3,00 3,25 3,25 3,25
3-Monats-Euribor 2,46 3,30 3,60 3,65 3,65
10 Jahre 2,16 2,50 2,80 3,00 3,00
Vereinigte Staaten          
Fed-Funds-Target 4,25-4,50

4,50-4,75

4,75-5,00

4,75-5,00

4,50-5,00
10 J. Treasuries 3,44 4,10 4,30 4,60 4,60
Quelle: DZ BANK

 

 

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