Zwei Personen in formeller Kleidung, scheinbar in einer angeregten Diskussion oder einem Meeting, wirken konzentriert und zeigen möglicherweise auf etwas außerhalb des Bildes.

Im Blickpunkt

Im Blickpunkt

Deutschland: Sicherer Hafen Bundesanleihen

Die deutsche Politik ist zunehmend fragmentiert, radikale Kräfte werden populärer und die Wirtschaft stagniert seit Jahren. Trotz dieser innen­politischen Herausforderungen und der Abkehr von der Sparpolitik behalten Bundesanleihen ihre Rolle als sicherer Hafen im europäischen Rentenmarkt. Dies liegt an Deutschlands herausragender Bonität, dem stabilen AAA-Rating, der hohen Repo-Fähigkeit sowie der exzellenten Liquidität des Cash- und Derivatemarktes. Insbesondere die Herabstufung Frankreichs und die Un­sicherheiten in der US-Politik haben die Position von Bundesanleihen als sichere Alternative sogar noch gestärkt.

 

 


Zuletzt wurde die Position von Bundesanleihen als sicherer Hafen
noch gestärkt

Die etablierten Wirkungsmechanismen am Euro-Rentenmarkt bestätigen dies: Bei Marktrisiken oder exogenen Schocks steigt die Nachfrage nach Bundes­anleihen, und die Renditen sinken, wie die Reaktionen auf die Corona-Pande­mie oder den Ukraine-Krieg zeigten. Zuletzt steigende Bund-Renditen im vierten Quartal 2025 und für das laufende Jahr sind somit auch nicht Ausdruck wachsender Skepsis gegenüber Deutschland. Vielmehr sind sie auf ein höheres Angebot an Bundeswert­papieren, bessere Konjunkturaussichten und die reduzierten Anleihebestände der Europäischen Zentralbank zurückzu­führen. Dennoch ist bei zukünftigen Krisen, wie im Fall einer weiteren Eska­lation des Grönland-Streits zwischen den USA und Europa, weiterhin mit kurzfristigen Nachfrageüberhängen und sinkenden Bund-Renditen zu rechnen.

Etablierte Wirkungsmechanismen: Bei Marktrisiken nimmt die Nach­frage
nach Bundesanleihen zu, …
 
 
… dies ist auch bei künftigen Krisen zu erwarten

Doch was passiert, wenn die nächste Krise nicht andernorts, sondern in dem bislang politisch stabilen Deutschland selbst ausbricht? Die vergan­genen Monate haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Union und SPD in Berlin kein Selbstläufer ist. Ein vorzeitiges Scheitern der Koalition ist also möglich. Bei einer Dreierkoalition aus Union, SPD und Grünen würden Anleger kaum die Stabilität der politischen Institutionen und ihre Zuverlässigkeit anzweifeln. Die Reaktion des Marktes dürfte wiederum von den sich daraus ergebenden Erwartungen abhängen. Vorzeitige Regierungswechsel hat es in Deutschland auch früher schon gegeben, ohne dass die Märkte in Panik geraten wären.

Und was passiert bei einer innenpolitischen deutschen Krise?

Selbst in Szenarien einer innenpolitischen Krise in Deutschland würde die Stellung der Bundesanleihen als Zufluchtsort voraussichtlich nicht grund­legend gefährdet sein. Zwar könnte beispielsweise eine unionsgeführte Minderheitsregierung kurzfristig zu Verunsicherung führen, was sich temporär in einer steigenden politischen Angstprämie widerspiegeln könnte. Doch die Stabilität der politischen Institutionen und die Erwartung einer restrik­tiveren Fiskalpolitik würden letztlich dazu führen, dass Bundesanleihen weiterhin als die sicherste Option gelten, insbesondere im Vergleich zu anderen Alterna­tiven.

Auch dann droht keine generelle Gefahr

Ein Verlust des Vertrauens in Deutschland als Emittenten wäre nur in einem extrem unwahrscheinlichen Szenario von Neuwahlen mit Mehrheiten jenseits etablierter Parteien zu befürchten, vor allem wenn populistische Parteien radikale Vorschläge wie einen „Dexit“, also einen Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der Eurozone oder der Europäischen Union propagierten.

 

Verlust des Vertrauens in Deutschland nur in einem äußersten Extremszenario denkbar