Zwei Personen in formeller Kleidung, scheinbar in einer angeregten Diskussion oder einem Meeting, wirken konzentriert und zeigen möglicherweise auf etwas außerhalb des Bildes.

Im Blickpunkt

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Märkte reagieren verunsichert auf Eskalation im Nahen Osten

Die Eskalation im Nahen Osten hat sichtbare Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Im Fokus steht dabei die Sorge vor einer nachhaltigen Beein­trächtigung der globalen Rohölversorgung. Nicht nur könnte der Iran bis auf Weiteres als nennenswerter Produzent entfallen. Vielmehr ist die Straße von Hormus aufgrund der laufenden Kampfhandlungen de facto für den Schiffs­verkehr gesperrt worden. Rund 20% der weltweiten Rohölversorgung und bis zu 25% der Flüssiggastransporte laufen über diese Meerenge. In einer ersten Reaktion vollzog der Rohölpreis der Sorte Brent einen Sprung in den Bereich der Marke von 82 US-Dollar je Barrel – ein Plus von mehr als 10% gegenüber Ende letzter Woche.

 

 


An den Finanzmärkten kehrte die Angst zurück



Die Ängste vor den weltweiten wirtschaftlichen Auswirkungen eines nachhaltig höheren Rohölpreises ließen die Aktienmärkte nachgeben. Dabei fielen die Kursverluste in Europa tendenziell höher aus als in anderen Industrienationen. Gefragt waren hingegen – nach üblichem Muster – mut­maßlich sichere Häfen. Nachdem der Goldpreis bereits am Nachmittag des vergangenen Freitags moderat anstieg, legte er zum Wochenstart noch einmal gut 2% zu.


Risikobehaftete Assets wie Aktien litten, Gold als sicherer Hafen
gefragt

Am Devisenmarkt zeigte sich zum Wochenbeginn der Dollar als einziger klarer Gewinner. Hier dürfte zum einen die Korrelation mit dem Ölpreis eine Rolle gespielt haben (der Dollar profitiert häufig von steigenden Ölnotierungen), zum anderen ist der Dollar mit seiner Liquidität der ultimative sichere Hafen für alle Finanzmärkte. Zwar drängte sich auch der Schweizer Franken zunächst als solcher auf, dies ist allerdings auch der Schweizer Nationalbank nicht entgangen, die sich bereits verbal in Stellung bringt und verkündete, dass angesichts der internationalen Entwicklung ihre Interventionsbereitschaft gestiegen sei. Verlierer waren dagegen die Emerging Markets, deren Währungen üblicherweise bei steigender Unsicherheit nachgeben.


Dollar profitierte von enger Korrelation zum Ölpreis




Das Ausmaß der Eskalation des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran geht zwar aktuell deutlich über die Kampfhandlungen im Sommer vergan­genen Jahres hinaus. Die erste Reaktion an den Finanzmärkten fiel jedoch insgesamt vergleichbar aus. So kletterte beispielsweise auch damals der Rohölpreis in den Tagen nach Ausbruch der Kämpfe zeitweise über die Marke von 80 US-Dollar je Barrel. Auf diesem Niveau hat sich das Preisniveau indes nicht gehalten. Vielmehr setzte nach dem Ende der Kampfhandlungen rasch eine Entspannung ein. Nachhaltige Auswirkungen in anderen Finanzmarkt­segmenten ließen sich ebenfalls nicht beobachten. Sofern die militärische Auseinandersetzung auch dieses Mal zeitnah beigelegt oder zumindest die Straße von Hormus wieder passiert werden kann, dürfte sich dieses Muster wiederholen.

Entscheidend werden die Dauer und die Ausmaße der Einschränkungen sein

Im Falle von Alternativszenarien, darunter eine anhaltende Gefahrenlage auf wichtigen Schifffahrtsrouten, beispielsweise durch eine über einen längeren Zeitraum hinweg instabile innenpolitische Lage im Iran dürfte sich der Rohölpreis nachhaltig auf höheren Niveaus einpendeln. Auch Preise im Bereich von 100 US-Dollar sind hierbei denkbar. Eine merkliche Belastung für das globale Wachstum und damit die weltweiten Aktienmärkte sowie die allgemeine Stimmungslage an den internationalen Finanzmärkten dürfte die Folge sein.  


Erstreckt sich der Krieg über einen längeren Zeitraum, sind deutliche Folgen zu erwarten