Im Blickpunkt
Im Blickpunkt
Aktienstrategie: Welche Sektoren profitieren von der Deeskalation?
Im Nahen Osten ist es buchstäblich in nahezu letzter Sekunde vor Ablauf des verlängerten Ultimatums zu einer ersten Stufe der Deeskalation gekommen. Für Aktieninvestoren stellt sich nun die Frage, wie sie sich positionieren können.
Implikationen der Deeskalation für den Aktieninvestor
Am robustesten erscheinen Energie- und Finanzwerte. Der Energiesektor profitiert davon, dass selbst bei einer Beruhigung des Iran-Konflikts nicht mit einer vollständigen Normalisierung des Rohölpreises zu rechnen ist. Vielmehr dürfte ein geopolitisch bedingter Risikoaufschlag bestehen bleiben. Dies sollte die Umsatz- und Margenentwicklung der Unternehmen des Sektors positiv beeinflussen. Hinzu kommt, dass der Energiesektor zu den wenigen Bereichen zählt, in denen die Gewinnentwicklung zuletzt nicht unter Druck geraten ist. Auch Finanzwerte zeigen sich in diesem Umfeld widerstandsfähig. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass das direkte Kreditexposure europäischer Banken im Nahen Osten überschaubar ist und die unmittelbaren Ansteckungsrisiken daher begrenzt bleiben. Gleichzeitig könnte ein anhaltender Inflationsdruck zu moderaten EZB-Leitzinserhöhungen führen, was das klassische Bankgeschäft stützen würde. Zudem ist die Gewinnentwicklung im Finanzsektor bislang stabil geblieben, wenngleich es seit Kriegsbeginn zu Kursverlusten von rund 7,5% kam. Die Bewertungen in diesem Sektor haben sich damit deutlich zurückgebildet.
Robuste Sektoren: Energie und Finanzen
Wir sehen zudem Erholungspotenzial in Sektoren, die besonders stark auf sinkende Energiepreise reagieren. Dazu zählen vor allem Transport und Logistik. Diese Bereiche leiden derzeit überproportional unter hohen Treibstoffkosten und gestörten Handelsrouten. Sollte sich die Lage im Iran-Konflikt entspannen, wäre eine schnelle Gegenbewegung wahrscheinlich. Ähnliches gilt für Teile des Technologiesektors. Während Hardware und lieferkettenabhängige Segmente anfällig bleiben, erscheint uns der Softwarebereich nach dem Rücksetzer übermäßig abgestraft, da die operative Abhängigkeit von Rohstoffen und Transport deutlich geringer ist. Auch Teile der Industrie, Materialien und Small Caps dürften sich in einem Umfeld sinkender Risikoaufschläge vergleichsweise zügig erholen. Gerade bei Materialien und in Teilen der Industrie sind die Bewertungen bereits deutlich zurückgekommen. Small Caps wiederum wurden in Stressphasen überproportional verkauft und reagieren typischerweise besonders stark auf eine Rückkehr des Risikoappetits.
Sektoren mit Aufholpotenzial: Transport und Logistik
Versorger, Infrastruktur und kapitalintensive Teile des Technologiesektors zeigen ein gemischtes Bild. Einerseits sprechen strukturelle Treiber wie die Energiewende, der Netzausbau, die massiven Fiskalprogramme in der Eurozone und insbesondere in Deutschland sowie der KI-gestützte Investitionszyklus für diese Bereiche. Andererseits bleiben sie aufgrund ihres hohen Kapitalbedarfs sensibel, sofern die Notenbank die geldpolitischen Zügel anzieht. Zusammengefasst sind sie nicht automatisch Verlierer, dürften aber zunächst weniger dynamisch reagieren. Der Ausblick für Immobilien und zyklische Konsumwerte bleibt am kritischsten. Immobilien sind besonders von hohen Finanzierungskosten, einer schwächeren Nachfrage und steigenden Baukosten betroffen – nicht zuletzt aufgrund der Zerstörungen im Nahen Osten und in der Ukraine. Bei den zyklischen Konsumwerten schmälern höhere Energiepreise das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte. Diese Sektoren sind am stärksten davon abhängig, dass sich die Konjunktur erholt und die geldpolitischen Rahmenbedingungen moderat bleiben.
Chancen und Risiken bei Infrastruktur, Technologie und Versorgern
Anfälligste Sektoren: Immobilien und Konsum