Zwei Personen in formeller Kleidung, scheinbar in einer angeregten Diskussion oder einem Meeting, wirken konzentriert und zeigen möglicherweise auf etwas außerhalb des Bildes.

Im Blickpunkt

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Krieg im Nahen Osten – wo sind die sicheren Häfen?

Die Straße von Hormus ist geschlossen, rund 20% des globalen Ölangebots stehen auf dem Spiel, und der Ölpreis stieg in der Spitze auf knapp 120 Dollar pro Barrel. Es ist Krise – und dennoch glänzen die traditionellen sicheren Häfen durch Abwesenheit. Zum einen, weil die Risk-off-Bewegung weniger ausgeprägt ausfiel als erwartet – der Markt setzt weiterhin auf Deeskalation. Vor allem aber auch, weil die bewährten Krisen-Assets diesmal schlicht keine Sicherheit bieten.

 

 


Risk-Off-Bewegung fiel weniger ausgeprägt aus als erwartet

In der Vergangenheit war die Antwort auf die Frage welche Assets als sichere Häfen fungieren meist eindeutig: Wenn die Welt im Tumult versinkt, profi­tieren Dollar, Gold und Schweizer Franken, die Nachfrage nach US-Staats­anleihen und Bunds steigt, gelegentlich auch jene nach dem japanischen Yen. Blickt man auf die Marktbewegungen seit Kriegsbeginn, sucht man diese Zuflüs­se jedoch weitgehend vergebens – und das hat gute Gründe.

Gibt es noch klassische sichere Häfen in Krisenzeiten?

 

Ein dauerhaft höherer Ölpreis bedeutet vor allem eines: mehr Inflation. Steigende Inflationserwartungen haben die Renditen am langen Ende – sowohl bei Bundesanleihen als auch bei US-Staatsanleihen – seit Kriegs­beginn in die Höhe getrieben. Solange der Ölpreis nicht dauerhaft unter 70 Dollar zurückkehrt, dürfte das so bleiben und die Attraktivität dieser Anleihen als sicherer Hafen zumindest schmälern.

Steigende Inflationserwartungen belastet das lange Ende der Staatsanleihen

Unter den Währungen mag der Schweizer Franken attraktiv erscheinendoch dürfte die Schweizerische Nationalbank einer übermäßigen Franken-Aufwertung entgegenwirken. Bereits vor Beginn des Krieges hatte sie deutlich gemacht, dass die Stärke des Frankens (die über fallende Importpreise defla­tionäre Tendenzen mit sich bringt), nicht in ihrem Sinne ist. Der japanische Yen scheidet ebenfalls aus: Japan importiert über 90% seines Öls aus dem Nahen Osten und ist Leidtragender, nicht Zufluchtsort. Auch Gold, das kurzzeitig auf­flackerte, wurde rasch von steigenden Renditen in seine Schranken verwiesen.

SNB dürfte übermäßige Frankenaufwertung nicht tolerieren

Was bleibt, ist der US-Dollar – und er ist in dieser Krise mehr als die Wahl des geringsten Übels. Notierte Euro-Dollar Ende Februar 2026 noch bei rund 1,18 US-Dollar, sind nunmehr Niveaus von rund 1,1450 USD auszumachen. Die USA ist ein Netto-Exporteur von Öl und damit zwar nicht gegen die inflationären Auswirkungen eines höheren Ölpreises gefeit, konjunkturell jedoch nicht so anfällig wie die Netto-Importeure. Hinzu kommt, dass die Tiefe und Liquidität des US-Anleihemarkts ihn für Investoren insbesondere in Krisenzeiten attraktiv machen. Die Langläufer mögen aus den oben genannten Gründen derzeit nicht die erste Wahl sein. Anders sieht es allerdings bei den US-Treasury-Bills aus: kurzlaufend und von steigenden Langfristrenditen weitgehend abgeschirmt, dürften sie einer der wenigen wirklich funktionierenden sicheren Häfen bleiben.

Anleger suchen Schutz in den US-Kurzläufern


Und damit schließt sich der Kreis zu den Währungen jener Länder, die als Netto-Exporteure ebenfalls vor den schärferen konjunkturellen Auswirkungen eines höheren Ölpreises geschützt sind. Sollte die Krise andauern, werden der australische und kanadische Dollar sowie die norwegische Krone vielleicht nicht als klassische sichere Häfen fungieren, könnten jedoch durchaus zu den relativen Gewinnern zählen.  

Bei länger anhaltender Krise könn­ten auch andere rohölexportierende
Länder zu den Gewinnern zählen