Im Blickpunkt

Blickpunkt

Chinas Wirtschaft mit einem guten Start in 2026 – vorsichtiger Ausblick

Chinas BIP im ersten Quartal bei über 5% (annualisiert)

 

Zum Jahresauftakt hat die chinesische Wirtschaft den offiziellen Angaben zufolge an Schwung gewonnen: Im Quartalsvergleich legte das Wirtschafts­wachstum leicht von 1,2% vierten Quartal 2025 auf 1,3% zu (jeweils Q/Q). Auf das Jahr hochgerechnet entspricht dies immerhin einem Wachstum von über 5%.

 


Außenhandel als wichtige Säule

 

Der Außenhandel erwies sich im zurückliegenden Quartal erneut als wichtigste Wachstumssäule, wobei allerdings die Exportwirtschaft zum Jahresbeginn wesentlich von saisonalen Effekten des in diesem Jahr relativ späten Neujahrsfestes profitierte. Dadurch waren die saisontypischen Vorzieheffekte im Januar und Februar ausgeprägter. Gezeigt hat sich dies unter anderem in Exportzuwächsen von über 20% (J/J). Die Kehrseite ist jedoch ein deutlicher Rückschlag im März. Hier konnten die Ausfuhren kaum noch gegenüber dem Vorjahr zulegen, was sich aber rein statistisch stärker im BIP-Wachstum des laufenden Quartals niederschlagen wird.

 

 

Iran-Krieg hat Bremswirkung

 

Aber auch der Ausbruch des Iran-Kriegs hat im März erste Spuren in der chinesischen Handels- und damit Wachstumsbilanz hinterlassen. Chinas Energieimporte haben sich mit dem deutlichen Preisanstieg stark verteuert und die Einfuhren aufgebläht. Gleichzeitig hat Peking die Ausfuhr von weiterver­arbeiteten Energieprodukten beschränkt, um die eigene Versorgung zu sichern, womit die Exporte gedrosselt wurden. Der weitere Ausblick für Chinas Ex­portkonjunktur hat sich vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise ebenfalls eingetrübt. Die absehbar deutlich schwächere Nachfrage auf den wichtigen Absatzmärkten in Asien und Europa dürfte Chinas Exporterfolge bremsen. Auch werden chinesische Unternehmen aufgrund der höheren Energiekosten ihre Produkte nicht mehr so günstig anbieten können wie bislan

 

Aber: Chinas Energiemix ist noch sehr stark von der heimischen Kohle abhängig


Insgesamt dürfte die chinesische Wirtschaft von den Folgen des Iran-Kriegs jedoch weniger stark getroffen werden als andere Volkswirtschaften in Asien, die stark von den Energielieferungen aus der Golfregion abhängig sind. China ist zwar der größte Abnehmer von den Öl- und Gasexporten der Golfstaa­ten, aber in seinem Energiemix immer noch sehr stark auf Kohle konzen­triert, die zu etwa 90% aus eigenem Abbau stammt. Außerdem erhält China zu einem wesentlichen Teil Öl und Gas aus Russland bzw. den GUS-Staaten, hat seine Energieversorgung also stärker diversifiziert und darüber hinaus hohe Reserven, insbesondere von Rohöl, angelegt.

 

Auf guten Start folgt ein vorsichtiger Ausblick 

 

Mit dem robusten Ergebnis vom ersten Quartal hat die chinesische Wirtschaft eine gute Grundlage für ein solides Wachstum im Gesamtjahr 2026 gelegt, auch wenn die Wachstumsraten im weiteren Jahresverlauf wohl wieder deutlich nachgeben werden. Wir haben unsere Wachstumsprognose für China – anders als für die meisten anderen Volkswirtschaften unserer Coverage – aufgrund der Folgen des Iran-Kriegs nicht abgesenkt, sondern den ohnehin vergleichs­weise vorsichtigen Wachstumsausblick von 4,3% für dieses und 4,0% für 2027 beibe­halten. Unsere generell zurückhaltende Einschätzung hängt insbesondere mit der anhaltenden Schwäche der Binnennachfrage in China als Folge der anhaltenden Krise im Immobiliensektor zusammen, für die es auch mit der aktuellen Datenveröffentlichung immer noch keine Lichtblicke gibt.